Interview SIGILL
S: Sigill - B: Batchas
Batchas ist ein Experimentalnoise projekt aus der Schweiz, was in letzter Zeit mit der "Tahafut-Ul Tahafut " CD, einer one side Live LP und einer Split LP mit " Shatterer Of Earth " zusammen, mehr oder weniger auf sich aufmerksam gemacht hat. Da über die Industrialszene in der Schweiz sehr wenig bekannt ist, nützte SIGILL die Möglichkeit eines Interviews, um diese szene unseren Lesern etwas näher zu bringen. Leider gab Batchas keine Antworten auf spezifische politische, religiöse und traditionelle Fragen über die Schweiz, da er sozusagen ein "Ausländer" ist (Französe, lebt seit ca. fünf Jahren in der Schweiz) und sein Hauptanliegen die Musik ist.
S: Hast Du ein Publikum in der Schweiz? Welchen Stellenwert besitzt die Industrialszene in Deinem Heimatland?
B: Die Schweiz ist ein sehr kleines Land, in dem Verhältnis steht somit auch das Publikum. Du kannst es zum Beispiel nicht mit Deutschland vergleichen, wo die Szene jetzt schon seit einer langen Zeit existiert. Hier ist es besonders ruhig, wenn Du siehst, das Punk, Gothic und Wave Musik immer im Trend liegen und für die Leute immer so neu zu sein scheinen ... Ich meine, wenn Du ein Industrial Konzert organisieren willst, dann hast Du eine Death-Metal, Gothic oder Wave-Band mit ins Programm zu nehmen, eine Open-End EBM Party nachher zu veranstalten, und nicht nur eine Menge Geld zu lassen, für die Raurnkosten, Werbung usw.. Nur wenige Leute sind bereit, das zu riskieren, und so sind Industrial Konzerte sehr begrenzt ... Es gibt da vielleicht ein oder zwei Veranstaltungen im Jahr! Den ãwahren" Industrial freunde gibt es nur in geringer Zahl, aber das ist nicht so das Problem! So kannst Du hier einige sehr gute Experimental- oder Industrial- Projekte finden, maximal zwar nur ein halbes Dutzend, die es wirklich ohne kommerzielle Gedanken tun, aber immerhin ... Demnächst erscheint auch wieder eine SCROTUM Singlebox : eine 7" Compilation mit sechs Experimental/Noise Projekten aus der Schweiz, in einer auf 200 Stück limitierten Metallbox-Edition heraus ... Der Industrial Szene bleibt hier im ãUntergrund" und das ist nicht so schlecht - Quantität bedeutet nicht immer Qualität, im Gegenteil ....
S: Batchas existiert seit 1981-82 - was war der entscheidende Grund fur die Entstehung des Projekts?
B: Ich war zu dieser Zeit auf einer Kunstschule (Ecole des Beaux-Arts im Marseille) und ich kannte einige sehr interessante Leute, mit denen ich mit Bass und Elektronik experimentierte. Wir waren alle gelangweilt von dem sehr konventionellen Kultursystem, wir dachten nicht daran, uns dort wiederzufinden ... Im Jahre 1979 wurde die franzosische Nach-Punk-Szene sehr langweilig und trendy,...Die Residents und zur selben Zeit Throbbing Gristle zeigten uns in die Richtung, welche uns half nicht aufzugeben! 1981/82 ging einer dieser guten Freunde oft nach Berlin, und der brachte den Sound mit. Es begeisterte mich immer mehr und ich entschied, das Soloprojekt Batchas zu schaffen, weil ich wusste, das ich aus Frankreich weggehen würde. Begonnen hat es mit einem Walkman, einem Bassverstärker, meines Bruders Elektro-Harmonix Memory Man Pedal und einem 4 Spur-Fostex Aufnahme Gerät...
S: Gibt es irgendwelche Hintergrunde oder Ziele des Projekfes Batchas?
B: Nur Musik ... + Visuelle Dinge für Performanzen und Covergestaltung für Veröffentlichungen ...
S: Warum wählst Du für jede neue Veröffentlichung einen anderen Namen (Myiase, Mydaüs)?
B: Das hangt eigentlich nur mit dem Konzept der Veröffentlichungen zusammen. Es bestehen Unterschiede zwischen diesem und jenen Projekt, weil ich versuche, Batchas nicht nur auf einen Sound oder eine Richtung zu begrenzen... Aber meist ändern sich nur die Haupttitel, nicht die Namen der Interpreten.
S: Kannst Du mir etwas zum Scrotum-Label sagen ? Gibt es in der Schweiz andere Labels in dieser musikalischen Richtung?
B: Zuerst einmal, alle Batchas Veröffentlichungen bis 1994 kamen auf diesem Label heraus (Tapes, LP's, CD's ), auch einige Split-Compilations waren dabei. Nun versucht Scrotum einmal im Jahr unveröffentlichtes Material von Experimental / Noise / Industrial-Gruppen herauszubringen (nur auf Vinyl), welche wir sehr mögen.
Es ist nicht leicht, Beispiele für andere Labels zu finden, die ãin der selben Richtung" arbeiten, aber ich kann Dir zum Beispiel sagen, dass Schimpfluch einer meiner Lieblinge im experimentellen Sektor sind, mit Namen wie Sudden Infant oder Runzelstirn Gürgelstock. Eines der besten Industrialprojekte, das ich nennen mochte, ist O.P.Rechts: er produziert alle seine Veröffentlichungen auf seinem eigenen Label (zu seinem besten ). Du kannst hier nicht so viele Labels finden, die professionell arbeiten: es gibt mehr Leute, die ihr eigenes Label haben und ihre eigene Band herausbringen (wie das Scrotum Label ursprünglich auch).
S: Da Deine letzten beiden LP's alle sehr aufwendig gestaltet waren, eine einfache Frage: Magst Du Vinyl?
B: Na sicher! Das Objekt selbst ist bemerkenswert. Ich würde gern all meine Veröffentlichungen auf Vinyl herausbringen, aber für einige ãpraktische" Falle ist es unmöglich. Einige Vertriebe haben jetzt Probleme mit Kleinhändlern, wegen des Vinyl formats.
Ich liebe auch die gute Covergestaltung, welche man mit der von CD's nicht vergleichen kann ...
S: Kennst Du die Gruppe Swamp Terrorists, welche ja Landsleute von Dir sind und ebenfalls grosse industrial wölfe, wie ich denke?
B: Ich muss sagen, dass die Swamp Terrorists meist mit Metal- und Technosound aufwarten, nicht mit "Industrial" meiner Art, aber sie sind schon irgendwie grosse Wölfe, wie Du sagst! Ich kenne sie nur durch die Bestellung ihrer CDs für den Plattenladen, in dem ich arbeite, und sie sind eine der sehr wenigen grösseren Schweizer Bands, die mit ihrem Sound durch die weite Welt touren, wie auch die Young Gods (auch grösse Wölfe... ) es tun.
S: Wie isf Deine persönliche Meinung zur Schliessung des Platzes Spitz und überhaupt zur Drogenfrage?
B: All die Drogenprobleme, welche die Schweiz besitzt, sind ein Teil der dunklen Seite des finanziellen Paradieses, was sie versucht haben aufzubauen. Dies ist der Preis, den die gelangweilte Jugend zu zahlen hat, in völliger Gleichgültigkeit und einem politischen und kulturellen Leben, welches nur auf Geld und Gewinnen basiert. Es gibt da grosse Mängel und vor allem ein Problem mit der Kommunikation zwischen der führenden (reichen) Klasse und den jungen Menschen. Niemand versucht irgendwelche konkrete Lösungen zu finden, ausser das sie jetzt denken, das freie Herausgeben von Heroïn an die Junkies ist eine wirkliche gute Lösung. Was für ein purer Unsinn!
Meine persönliche Meinung zur Drogenfrage: Es ist eine grosse Scheisse. (Ich sehe, das es hier wirklich nichts gibt, was die Dinge ändern könnte; sie schlossen den Platz Spitz, aber jetzt siehst Du soviel jungen Leute, wie "Zombies", überall drumherum, wie sie Katz und Maus mit der Polizei spielen. Vorher hatten sie noch einen Park, etwas wie einen Zoo, nun haben sie die Strassen. Macht das einen Unterschied? ).
*zum dem schweriger Thema, könnte Ich sowieso nicht in paar Wörtchen, meine genau Meinung herausdrücken...In französe Sprach noch vielleicht... aber sonst, null chance... Je veux dire que le respect de la personne humaine, dans ce cas si difficile, n'est sûrement pas pris en compte dans le système actuel suisse ou autre, d'autant que la classe dirigeante se trouve face contre mur avec un problème qui la dépasse...(*nicht im Interview formuliert).
S: Wie denkst Du über Europa und die Multikultur?
B: Ich denke nicht, das Europa so etwas wie ein Klotz ist ... Ich bevorzuge es, es als ein multikulturelles Ganzes zu betrachten, mit seinen Unterschieden und seinen Gleichnissen ... Kommunikation, Austausch und Toleranz...
S: Was sind Deine Pläne für die nahe Zukunft?
B: Die Produktion der Musik für eine Choreographie ("Engelsmarkt") im Oktober 1995, welches eine Menge Arbeit bedeutet! Meine neue CD auf dem französischen White Noise* Label kommt Ende des Jahres. Ich bereite mich auch für Konzerte im Jahre 1996 vor, geplant sind welche in Italien, Deutschland, Frankreich...
*heute: "Noise Museum"
S: Kannst Du mir Deine Allzeit Favoriten nennen?
B: B.Bumble and The Stingers "Nautilus".
S: Eine Frage zum Schluss: würdest Du SIGILL zu einem Nummernkonto in der Schweiz raten?
B: Klar, kein Problem ... Ich nehme bloss nur 40 Prozent Provision ...
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